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HAP Grieshaber Monografie

Prämisse

Wir als Initiatoren des Portals – Iris M. Rall-Lorenz und Dr. Gregor Kalivoda – haben uns für dieses Medium entschieden, gerade auch um schnell, weltweit, interaktiv, dabei aber auch non-profit-orientiert arbeiten zu können, eine möglichst große Adressatenschaft avisierend. Den Lesern stellen wir – im Rahmen gängiger medialer Nutzungsgewohnheiten – im zweimonatigen Turnus unser werkerschließendes Wissen kostenfrei zur Verfügung.

Der Schwerpunkt liegt daher auf dem Text , der durch bildliche Anregungen – auch von anderen Holzschneidern im Lebensumfeld Grieshabers -  ergänzt wird und es ist gewünscht, ja das Ziel unserer – Monografie ist es, dass sich der Leser selbst die Grieshaberschen Bildquellen per Mausklick erarbeitet, selbst auf Spuren- und Bildersuche geht. Wir versuchen immer wieder neu und hilfreich zu verlinken und vielleicht mag sich der an Grieshaber Interessierte auch einmal selbst die Exponate im Museum anschauen.

Dr Gregor KalivodaDr. Gregor KalivodaDr. Gregor Kalivoda war von 1987-2011 Geschäftsführer des Tübinger DFG-Projekts „Historisches Wörterbuch der Rhetorik“ (10 Bände), seit 2012 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter am „Seminar für Allgemeine Rhetorik“ der Universität Tübingen.

Seine wichtigsten Forschungsfelder sind Politische Rede, Argumentationstheorie, Wissenschaftsgeschichte der Rhetorik, Gesprächsrhetorik, Juristische Rhetorik sowie Rhetorik und Kunstgeschichte

 

Iris Lorenz BuchpresseIris M. Rall-Lorenz beim Drucken an der Grieshaberpresse mit Klaus Herzer im Mössinger Holzschnittmuseum. www.holzschnittmuseum.de
Foto: Helmut Mühleisen
Das Holzschnittmuseum Spendhaus steht in Reutlingen und es wäre ohne einen Grieshaber nicht in dieser Weise zustande gekommen. Hier sind feste und variierende Ausstellungen rund um den Holzschneider und den zeitgenössischen Holzschnitt/Druckgrafik eingerichtet:

www.reutlingen.de/kunstmuseum 

Und es gibt auch einen Freundeskreis dazu:

www.freundeskreis-spendhaus.de 

 

 

BuchcoverErschienen zum Thema Wort-Bild bei HAP Grieshaber und immer noch aktuell.
Edition: Galerie Haus Geiselhart, Reutlingen.

Holzschnitt als Pathosformel, Buchstabe und komplexes polyvalentes Symbol oder Plattform für Meinungspluralität

Interdependent ist das Verhältnis von Wort und Bild bei HAP Grieshaber und es betrifft die Aussage wie die Wirkungsweise. Was bedeutet das?  Text und Darstellung sind voneinander abhängig. Das Bild – zumeist der Holzschnitt – übernimmt als „Lockmittel“ die Aufgabe, den Adressaten der Botschaften anzusprechen, weil es – wenn  beides auf einem Blatt zum Einsatz kommt - oft größer als der Text gestaltet ist. Ein weiteres Merkmal dieser Methodik ist es, daß der Künstler in einfachem, unkompliziertem Formenkanon die bildnerische Formel in Szene setzt.

Auf Basis dieser rezeptionsästhetischen Erkenntnis (1) lässt sich begründen, dass Grieshaber das Bild als schnelles und leicht zu identifizierendes Informationsmittel einsetzt.

„Gehalt“ des Mediums Holzschnitt und ästhetische Wahrnehmung - Grundgedanken

HAP Grieshaber hat sich durch seine Hinwendung zum großformatigen, farbigen Holzschnitt innerhalb der europäischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts fest positioniert.

Die Wahl des Mediums Holzschnitt bedingt eine besondere Sicht, da sie auch einen spezifischen symbolischen Gehalt artikuliert.

Einer der bedeutendsten Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts – Erwin Panofsky – statuiert im Sinne einer eigenen Kunsttheorie:

„Ein Kunstwerk wird nicht immer ausschließlich zu dem Zweck geschaffen, dass es Freude macht und Gefallen findet, oder dazu – wenn man es gelehrter ausdrücken will-, ästhetisch erlebt zu werden. Poussins Erklärung „la fin de l`art est la dèlectation“ war durchaus revolutionär, weil frühere Autoren stets darauf bestanden hatten, dass Kunst, so genussvoll sie auch sein mochte, doch auch auf gewisse Art nützlich sei. Aber ein Kunstwerk hat nun einmal stets ästhetische Bedeutung (die nicht mit ästhetischem Wert zu verwechseln ist); ob es nun einem praktischen Zweck dient oder nicht, ob es gut oder schlecht ist: Es verlangt ästhetisch erlebt zu werden.“ (1)

So sei an dieser Stelle noch einmal vermerkt, dass auch die besten, empathischsten, kompetentesten und umfangreichsten Beschreibungen des Grieshaberschen Werkes nur einen Bruchteil dessen erfassen können, was die künstlerischen Niederschriften wirklich sind.

Eine umfassende Rezeption erlaubt nur das ästhetische Erleben der Grafiken ante oculos: vor Ort, im Museum, in der Galerie, in der privaten Kunstkammer.

Textur, Farbauftrag, Papier locken den Betrachter zum Darüberstreichen und animieren dazu, der Struktur des Holzstocks nachzuspüren.

Gerade diese beiden Aspekte, das bewusst intendierte ästhetische Erleben des Holzschnitts, seine kunstgeschichtliche Tradition, die Prägnanz und brevitas seiner verschiedenen Techniken sowie der Gehalt des Mediums an sich, stehen daher im Mittelpunkt dieses zweiten Teiles.

Gerade die Besonderheit des Grieshaberschen Werkes, den Holzschnitt in seinem Format auf Wandbildgröße zu erweitern, soll erläutert werden.

Die Anfänge 1909-1927: Elternhaus, Schulzeit, Buchdrucker- und Schriftsetzerlehre, Akademiezeit

Helmut Andreas Paul Grieshaber – kurz genannt HAP- wird am 15. Februar 1909 im oberschwäbisch-barocken Rot an der Rot als erstes von insgesamt vier Kindern geboren.

In jenem Jahr, in dem Ernst Barlachs Holzplastik „Sorgende Frau“, die Radierung „Arbeitslosigkeit“ von Käthe Kollwitz oder Max Liebermanns bekanntes Gemälde „Selbstbildnis“ entsteht.

Grieshabers Familie zieht 1912 nach Nagold um und HAP wird dort eingeschult, später wechselt er an die Realschule. 1920 siedeln sie in die Achalmstadt Reutlingen über und die schulische Ausbildung führt der junge HAP an der Johannes-Kepler-Oberrealschule – heute Gymnasium – fort.

Im Jugendalter interessiert er sich für sozialistische Gruppen und die Arbeiterjugend, mit 13 Jahren erhält er einen Preis in einem Kinderzeichenwettbewerb, seine Begabung findet erste Beachtung. Handwerkliches Geschick und künstlerische Invention werden transparent.

In der 7. Klasse verlässt er die Schule aufgrund mangelnder Leistungsnachweise. Er geht hinein in die künstlerische Freiheit, findet zum Schneiden, der Linolschnitt „Achalm“ entsteht 1922.

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